“3. Plätze sind was für Männer” Fazit der FIFA WM 2011

Quelle Wikipedia (Autor Frank)

Nachdem unsere Damen nun im Viertelfinale der Fußball-WM ausgeschieden sind möchte ich die Ereignisse kurz in einem kleinen Fazit kommentieren. Eins vorweg: Ich bin nicht Frauenfeindlich oder ähnliches, ich versuche das ganze so neutral wie möglich zu analysieren.

Es wurde nichts aus dem Sommermärchen 2.0. Unsere Damen sind ja nun bekanntlich im Viertelfinale ausgeschieden. Dabei musste ich mich an ein schönes Plakat von ARD und ZDF erinnern, welches ich in München im Hauptbahnhof gesehen habe. Der Slogan “3. Plätze sind was für Männer” stand da. Ich fands echt Originell und musste sogar schmunzeln, aber aus heutiger Sicht muss ich gestehen, dass das Auftreten einiger Spielerinnen und vor allem der Bundestrainerin Sylvia Neid einfach nur arrogant war. Vermutlich haben sich einige schon gefragt, wie sie denn wohl den WM-Titel feiern können. Beim ersten Sommermärchen in Deutschland wurden die männlichen Kollegen damals dritter. Zwar auch nicht mit überragenden spielerischen Fähigkeiten, abgesehen vom Spiel gegen die Schweden, aber mit hohem Kampfgeist. Damals wurde die WM sehr positiv in Medien und Volk aufgenommen, aber wir sie auch diesmal positiv aufgenommen?

Insgesamt hat sich meines Erachtens der Frauenfußball bis zu dieser Weltmeisterschaft sehr gut entwickelt. Ich habe das Gefühl das dieser International sehr gut angenommen wird. Außerdem sehen die meisten Spiele auch optisch um einiges besser aus, als noch vor 8 oder 12 Jahren. Die Spiele sind sehr schnell und technisch auf einem hohen Level. Zumindest bei Teams wie Frankreich oder Brasilien hatte ich das Gefühl. Auch viele der deutschen Spielerinnen machten einen technisch guten Eindruck, wie zum Beispiel Alexandra Popp und Simone Laudehr. Trotzallem wird dieser Weltmeisterschaft in Deutschland den Frauenfußball wohl kaum nach vorne bringen. Dafür war die deutsche Mannschaft insgesamt zu schwach.

Die Gründe

Man muss an mehreren Orten für den Grund des Versagens, der deutschen Mannschaft bei dieser Weltmeisterschaft suchen.

Hauptgrund war meines Erachtens eine schlechte Vorbereitung. Die Spielerinnen wirkten nicht Fit, teilweise KO, insgesamt wurden die Spiele schwächer umso länger sie liefen. Beispielsweise das Eröffnungsspiel. Deutschland führte hier bereits mit 2:0, wurde aber zum Ende hin immer schwächer, musste am Ende sogar noch zittern, dass Kanada den Ausgleich schießt. Im zweiten Spiel hatten die deutschen große Probleme mit der körperbetonten Spielweise der Nigerianerinnen, gewannen nach großem Kampf aber mit 1:0. Rückblickend waren allerdings beide Spiele nicht überzeugend. Im dritten Spiel gegen Frankreich gewann man zwar mit 4:2, aber hier muss bedacht werden, dass die deutschen mehr Glück als Verstand hatten. Die französischen Spielerinnen waren sehr gut und brachten die deutschen immer wieder zu Problemen bei Standardsituationen, insbesondere in der zweiten Halbzeit. Allerdings wurden sie durch eine Rote Karte am Ende des Spiels entscheidend geschwächt, so dass die deutschen anschließend den Sieg mit 2 weiteren Toren in Überzahl perfekt machen konnten.
Der Gegner im Viertelfinale war Japan, das Gruppenzweiter in seiner Gruppe wurde. Im Viertelfinale wirkten die Asiaten zu jeder Zeit überlegen und spritziger. Das Tor war im Grunde genommen nur eine Frage der Zeit.

Der zweite Grund war die Personalplanung vor und während der Spiele. Sylvia Neid wurde vor der Weltmeisterschaft immer als Strategin bezeichnet. Dies konnte sie jedoch zu keinem Zeitpunkt beim Turnier beweisen. Es wurden immer unlogische Aus- und Einwechslungen durchgeführt. Insbesondere Alexandra Popp hätte wesentlich mehr Spielzeit bekommen müssen. Fatmire Bajramaj hingegen, als große WM-Hoffnung bezeichnet, wurde schlichtweg überschätzt und zu viel eingesetzt. Zu eigensinnig und engstirnig hat sie gespielt. Zu selten spielte sie für für die Mannschaft.

Quelle Wikipedia (Autor AdGOstara)

Zwar kein Grund für das schlechte abschneiden, aber ein Grund welcher Sylvia Neid und auch den DFB mehr als unsympathisch wirken lässt (schon wieder) ist der Umgang mit Birgit Prinz gewesen. Die Art und Weise wie ein Weltstar ihrer Größe hier behandelt wird ist einfach nur erbärmlich. Anscheinend hat Frau Neid sich hier an Jogi Löw orientiert der ja bereits in den letzten Jahren mehrere verdiente Nationalspieler öffentlich aus der Nationalelf katapultiert hat. Ich berichtete bereits vor kurzem über das Beispiel Michael Ballack.

Fußballdeutschland hat wohl leider vergessen, welcher Spielerin es zu verdanken ist, dass man zweifache Weltmeisterin ist. Birgit Prinz war in den letzten Jahren die überragende Spielerin gewesen. Sie alleine hat den deutschen Frauenfußball revolutioniert. Erst durch ihre Leistungen war es in den letzten Jahren möglich Welt- und Europameister zu werden.

Welche Möglichkeiten gibt es für einen Neuanfang?

Für gewöhnlich gebe ich Trainern bei Versagen der eigenen Mannschaft nie die Hauptschuld, aber in diesem Fall fällt es schwer Sylvia Neid und ihr Trainerteam nicht an den Pranger zu stellen. Alle Gründe waren vermeidbar.
Man hat deutlich gesehen: Es wird einfach Zeit für einen Neuanfang mit neuem Trainerteam und einer neuen Mannschaft rund um Alexandra Popp und Célia Okoyino da Mbabi. Vielleicht schneiden die Damen bei der Europameisterschaft 2013 besser ab. Wir hoffen es!

Noch eins zum Abschluss, ich verwendete Worte wie Versagen ganz bewusst, ganz einfach weil diese Worte das Ergebnis dieser Weltmeisterschaft wiederspiegeln.