Quäl dich, du Sau! Ullrich und Zabel im Dauerfeuer der Medien

Quäl dich, du Sau! Ullrich und Zabel im Dauerfeuer der Medien

800px-Jan+udo97In den letzten Tagen ist durch den Senatsbericht aus Frankreich bekannt geworden, dass mehrere Radsportler während der Tour de France 1998 mit EPO gedopt waren. Unter anderem sind die deutschen Radsport-Ikonen Erik Zabel und Jan Ullrich auf dieser Liste.
Auch der 2004 verstrorbene Tour-Sieger Marco Pantani ist hierdurch betroffen. Seit diesem Zeitpunkt werden insbesondere die ehemaligen deutschen Top-Athleten Zabel und Ullrich in den Medien hingerichtet. Das teilweise auf ganz unterem Niveau. Sport1 beispielsweise hat ein Zitat von Zabels Sohn aus dem Archiv gezogen “Mein Papa hat mir das ganz im Vertrauen gesagt, ich habe ganz, ganz großen Respekt davor, dass er es gemacht hat. Ich bin stolz auf ihn, für mich ist und bleibt er ein Vorbild. Jeder Mensch macht Fehler.” Anschließend kommentiert Sport1 auf (für die Verhältnisse eher unüblichem) BILD-Niveau: “Seit Mittwoch dürfte es wieder Gesprächsbedarf zwischen Vater und Sohn geben.

663px-Erik_Zabel_2005Versteht mich nicht falsch: Ich begrüße Doping nicht, aber es gibt doch einige Dinge die mich an der aktuellen Berichterstattung stören. Wieso werden diese Radsportler nach mehr als 15 Jahren in den Medien massiv fertig gemacht. Es wird von einem großen deutschen Sportsender die Vater-Sohn-Beziehung ganz persönlich dargestellt und ins lächerliche gezogen. Hat dieser Mann das verdient? So etwas hat nichts mit Sportberichterstattung zu tun. Ja dieser Sport ist verseucht vom Doping. Das wissen wir spätestens seit der Fuentes-Affäre und das ist auch schlecht für diesen Sport. Über den Fuentes-Skandal ist übrigens (u.a.) auch Jan Ullrich gestolpert. Der Rostocker Ullrich hat scheinbar mit Eigenblut gedopt, so wie auch einige andere Profisportler. Von den 200 betroffenen Sportlern sind nur etwas 30% aus dem Radsport. Wer sind die anderen 70%? Böse Zungen reden von bekannten Tennisspielern. Andere behaupten, dass unter anderen einige große spanische Fußballklubs betroffen sind. Doch was ist? Der Fußball bleibt unantastbar. Er wird geschützt von Verbänden und großen Klubs. Keine einzige Nachrichtenquelle geht diesen Hinweisen nach.

Autor: Armin Kübelbeck (CC BY-SA)

Autor: Armin Kübelbeck (CC BY-SA)

Wieso ist das so? Wieso stürzen sich alle Medien ausschließlich auf den Radsport? (Abgesehen von einigen Meldungen aus der Leichtathletik) Wo sind die positiven Doping-Befunde aus der Bundesliga. (Diese gibt es meiner Meinung definitiv) Sind es vielleicht die Verbände die das systematische Doping schützen? Selbst Franz Beckenbauer hat schon Doping mit Eigenblut mehr oder weniger zugegeben. Die deutsche Nationalmannschaft soll 1954 beim Spiel gegen Ungarn ebenfalls gedopt gewesen sein. Genauso wie Juventus Turin beim Champions League Finalspiel 1996. Es gibt genügend Beläge, dass auch im Profifussball gedopt wird. Teilweise ist vom systematischen Doping durch Vereine und Verbände die Rede.

Leider haben die großen Sportmedien nicht das Zeug, solche Skandale nach oben zu holen. Da hakt man lieber auf dem kleinen Radsport rum. Vor 15 Jahren noch, da schauten wir alle nach Frankreich und haben mitgefiebert wie Ullrich, Pantani, Armstrong, Valverde, Sevilla, Basso die Alpen oder Pyrenäen hochgestürmt sind. Heute sind die alten Helden gefallen und werden wie Schwerverbrecher behandelt.

Jetzt trifft Uwe Bölts Zitat “Quäl dich, du Sau!” mehr denn je zu. Ullrich und Zabel stehen vor ihrer schwersten Prüfung. Es macht mich traurig das diese beiden und auch andere, wie der verstorbene Pantani von den Medien gestürzt werden. Ullrich hatte immer wieder gesagt, er hätte nie einen Mitstreiter betrogen. Dieser Tatsache kann wohl niemand wiedersprechen, denn auch Lance Armstrong konnte man erst nach mehreren Jahren des Dopings überführen. Auch hierzu wurden vor Jahren gesammelte Blutproben mit heutigen Mitteln analysiert.