[HowTo] Photobooth DiY – Fotobox selber bauen

Ffotobox_1ür meine eigene Hochzeit wollte ich unbedingt eine Fotobox. Fotobox? Was ist das? Das Konzept ähnelt dem dieser Fotoautomaten an Bahnhöfen. Die Gäste können sich damit spontan selbst fotografieren. Die Fotos können anschließend gedruckt oder geteilt werden. Was ist der Vorteil gegenüber einem Hochzeitsfotografen? Ein Hochzeitsfotograf soll am Tag der Hochzeit möglichst spontane Szenen der Hochzeitsgesellschaft einfangen. Das funktioniert auch in der Regel mehr oder weniger ganz gut. Allerdings funktioniert das nicht bei jedem Gast. Mit der Fotobox fange ich Spaßbilder ein. Dazu stelle ich Requisiten und Verkleidungen zur Verfügung. Viele Leute kommen auf diese Weise ganz anders aus sich heraus (insbesondere bei höherem Alkohol-Pegel).
Bitte nicht falsch verstehen, ich will hier keineswegs den Hochzeitsfotografen überflüssig machen, ich will nur eine Möglichkeit für schöne Erinnerungen schaffen. Die Fotobox stellt keine vollwertige Alternative zum Fotografen dar. Sie ist eher als Ergänzung zu verstehen.

DSC_2529_smallIch wollte also so ein Teil auch bei meiner Hochzeit haben. Aber wo bekommt man sowas her? Es gibt bereits einige Fotografen die eine Fotobox als Addon zur normalen Hochzeitsfotografie anbieten, allerdings hatte mein Fotograf so eine Sonderleistung nicht im Angebot. Des Weiteren muss man berücksichtigen, dass die Mietung einer Fotobox (meist inkl. Foto-Equipment) eine recht teure Angelegenheit ist. Also habe ich mich für einen Eigenbau entschieden.
IMG_20140429_064949_smallDer Eigenbau soll nach Auslösen eines Fernauslösers das Bild ohne störende Verzögerung auf einem Display ausgeben. Das Display soll neben der Kamera selbst in die Fotobox integriert werden. Neben den schon genannten Gründen wollte ich außerdem noch ein wichtiges weiteres Feature. Und zwar wollte ich Fotos direkt drucken lassen über einen Canon Selphy Fotodrucker. Das zu druckende Foto soll auf dem integrierten Display zum Drucken gewählt werden können. Fotos sollen sich darüber hinaus nicht über das integrierte Display löschen lassen. Denn dann könnte es sein, dass Gäste ihre witzigsten Bilder zwar drucken, aber dann anschließend sofort löschen.

Planung

DSC_2540_smallDie Anforderungen:

  • geschlossenes Gehäuse für technisches Equipment
  • stabiler Stand, damit nicht jemand alkoholisiert ausversehen die Fotobox umstolpert
  • Die Kamera soll per Funk-Fernauslöser ausgelöst werden können
  • wenig Kabelsalat (selber Grund siehe Punkt stabil)
  • Fotos müssen sofort (ohne größere Verzögerung) auf einem Display dargestellt werden
  • Das Display soll permanent an sein
  • Die Fotos müssen per WLAN zwischen Kamera/Display und Drucker übertragen werden
  • Es soll nicht nur das aktuellste Foto, sondern auch Vorgängerfotos begutachtet werden können
  • Fotos sollen per Knopfdruck von einem Canon Selphy gedruckt werden können
  • Das ganze Setup muss so robust sein, dass es entweder Reconnect-Fähig ist, oder permanent die Verbindung hält
  • Das Design der Fotobox soll insgesamt in das Konzept der Hochzeit passen (Motto, Farben)

DSC_2525_smallDa das Konzept der Hochzeit viel auf dem Material Holz basierte sollte die Fotobox im Holzlook (ähnlich wie bei unseren Einladungen aus Holz und anderen Design-Elementen) bereitgestellt werden. Mein erster Plan war also ein günstiges Regal von einem preiswerten Möbelhaus zu erwerben und entsprechend auszubauen. Das hat nicht so funktioniert, weil ich 1) nichts mit den richtigen Maßen gefunden habe und 2) die Regale entweder nicht günstig genug waren oder nicht stabil genug waren. Als Display habe ich mich relativ schnell für mein Ipad 2 entschieden. Das ist als Display ausreichend groß und es gibt entsprechende Apps. Alle benötigten Kabel sollen möglichst unauffällig verbaut sein. Dazu muss ein 220V Verteiler in der Fotobox verbaut werden, so dass alle Netzteile von Geräten dort angeschlossen werden können.

Materialliste Technik

IMG_20140501_134252_smallNikon D7000 (oder eine vergleichbare Kamera die Fernauslöse geeignet ist) mit Objektiv
Yongnou Funk Fernauslöser RF-603N
Entpsrechende Blitz-Belichtung
IPad (9,7 Zoll Display)
W-LAN SD-Karte von Transcend
Canon Selphy CP910 Fotodrucker mit WLAN
Nikon Kamera Netzteil zur permanenten Stromversorgung der DSLR + Akku-Einsatz

Umsetzung

DSC_2515_smallIch entschied mich das Gehäuse der Fotobox komplett selbst zu entwerfen. Dazu habe ich mich als Material für Fichte bzw. Kiefer-Leimholz entschieden. Die Holzbretter sind jeweils 18 mm stark. Die Größen der einzelnen Bretter habe ich vorab bestimmt und im Baumarkt beim Kauf des Holzes direkt zuschneiden lassen. Einige Bretter habe ich auch selbst zugeschnitten. An der Front ist eine Öffnung für Ipad-Display und Kamera-Objektiv zu schneiden. Für die Öffnung des Ipad habe ich eine Stichsäge verwendet und ein entsprechend großes Rechteck ins Holz geschnitten. Die Objekitv-Öffnung habe mit einem Löchsägen-Aufsatz für die Bohrmaschine gesägt. Die Öffnung muss mindestens die Größe eures Objektivs haben. In meinem Fall (Sigma 17-50 2.8 EX HSM OS) 77 mm Linsendurchmesser.
An einer Seite (Rückseite wäre theoretisch auch möglich) der Fotobox soll eine Tür (mit Scharnier) gebaut werden.DSC_2517_small Ich habe hierfür kleine Scharniere aus dem Baumarkt gekauft. Beachten sollte man allerdings, dass man solche einfachen Scharniere im Nachhinein nicht mehr einstellen kann. Man sollte demnach ganz genau mit der Wasserwaage beim Einbau arbeiten. Am Ende wurde das Gehäuse gebeizt um einen dunkleren Farbton zu erhalten. Die Quaderförmige Fotobox habe ich anschließend auf ein Boxenstativ gestellt.
Wegen dem Stativ habe ich mir vorher lange den Kopf zerbrochen und nach einigen Experimenten erschien mir das als die stabilste und günstigste Lösung. Eine weitere mögliche Variante wäre gewesen die komplette Fotobox vom Boden bis oben aus Holz zu entwerfen. Das sieht vielleicht schöner aus, aber hat einige Nachteile. Mit dem Boxenstativ, so wie ich es verwendet habe lässt sich die Fotobox bei nicht-gebraucht ganz gut demontieren. Ein vollständiges Holzgehäuse wäre vermutlich auch nicht so stabil.
Um das Display des Ipads zu schützen habe ich außerdem ein Stück Filz in die eigenkonstruierte iPad-Halterung geklebt (Siehe Bilder).

DSC_2541_smallMaße (Länge, Breite, Tiefe)

Seitenwände, Front und Rückwand: 40 cm / 50 cm / 1,8 cm
Boden und Deckel: 43,6 cm / 40 cm / 1,8 cm

 

Technisches Setup

IMG_20140429_064938_smallDSC_2524_smallDas wichtigste Ziel bei der technischen Umsetzung war die Reibungslose Integration von Kamera (WLAN-SD-Karte), Ipad und Drucker. Die Transcend-SD-Karte arbeitet als WLAN Hotspot und muss diesen permanent für Drucker und IPad bereitstellen. Das WLan steht allerdings nur zur Verfügung, wenn auch der Belichtungsmesser der Kamera aktiv ist, denn nur dann wird auch die SD-Karte mit Energie versorgt. Per Default schaltet sich die Belichtungsmessung jedoch nach 6 Sekunden ab. Das Ipad muss dann händisch wieder mit dem Access-Point verbunden werden. Das ist aber schlecht, da ich nicht möchte, dass jemand in den Einstellungen des Ipads rumfummeln darf und kann.
In den Einstellungen der Nikon-Kamera lässt sich die Zeit bis zur Abschaltung des Belichtungsmessers auf unendlich erhöhen (Menü: c2 Zimer & Tastenbelegung – Abschalten des Bel.-messers). Die Yongou Fernauslöser sind ganz normal anzuschließen. In meinem Fall habe ich den Sender allerdings nicht in den Blitzschuh geschoben, da hier ein Studio-Blitz (bzw. zwei Studio-Blitze) per Funk verbunden wurde. Warum Studio-Blitze und keine Aufsteckblitze? Ich habe das gesamte Setup auch mit einem Yongnou Aufsteckblitz via Funk getestet. Problem ist jedoch erstmal die Verzögerung bei dem Aufladen des Blitzes bis dieser bereit ist zu Blitzen und zum zweiten der hohe Batterie-Verschleiß. Jemand müsste während der Hochzeitsfeier permanent der Batterien checken. Darüber hinaus bietet ein Studioblitz (inkl. Stativ und sonstigem Zubehör) ganz andere Ergebnisse.

Ipad

DSC_2529_smallDas Ipad muss mit der Transcend-WLAN-SD-Karte verbunden werden. Anschließend kann hier die offizielle Transcend-App genutzt werden. Diese kann die letzten geknipsten Bilder darstellen, allerdings kann man nicht durch die alten Bilder wischen. Daher habe ich nach ein wenig Recherche die App Shuttersnitch gefunden. Diese ist zwar nicht ganz billig (ca. 20 EUR), aber (wie ich feststellen musste) jeden Cent wert. Die App kann man so konfigurieren, dass keine Bilder gelöscht werden können. Außerdem lässt sich ein Druck-Button einblenden mit welchem man den Canon Selphy koppeln kann (per AirPrint). So kann man ein Bild wählen und anschließend drucken. In den Einstellungen des Ipads kann man außerdem festlegen, dass das Display sich nicht ausschalten soll.

Canon Selphy CP 910

Der Canon muss per WLAN verbunden werden. Dazu wählt man im Menü des Selphys als WLAN-Netzwerk die WLAN-SD Karte aus.

Was würde ich heute anders machen?

Das von mir in diesem Artikel beschriebene Vorgehen stellt eine Dokumentation des Selbstbau’s einer Fotobox dar. Wenn ich eine weitere Fotobox bauen müsste, dann würde ich allerdings einige Sachen anders machen.

  • DSC_2900_smallDie Fotobox insgesamt ist von den Maßen zu groß geraten. Man hätte hier einiges an Material sparen können.
  • Ich würde heute außerdem ein hochwertigeres Boxenstativ wählen. Das was ich gekauft habe hat im unteren zweistelligen Euro-Bereich gekostet. Das Stativ wirkt etwas wackelig und der verbaute Kunststoff ist billigstes Material. Wenn man bedenkt das in der Fotobox insgesamt (DSLR [900 EUR] inkl Objektiv [350 EUR], Ipad [500 EUR]  und Kleinteile [ca 150 EUR]) 1500 – 1800 Euro rumliegen, dann sollte die Fotobox auch einen kleinen Rempler aushalten. Bei meinem Stativ bin ich mir das allerdings nicht sicher. Einen Test habe ich nicht gewagt.
  • An den Tür Scharnieren würde ich beim nächsten mal ebenfalls nicht sparen. Lieber ordentliche Scharniere verbauen.

 

IMG_20140429_070731_smallZu den Kosten

Abhängig welches Equipment man bereits zur Verfügung hat sind die Kosten nicht allzu hoch. Ich muss das Material, das Stativ, das DSLR-Netzteil kaufen. An Werkzeug hatte ich bereits alles. Beize und Holzschrauben hatte ich ebenfalls. Die reinen Materialkosten lagen bei unter 100 Euro.

Wie findet ihr die Idee der Fotobox und die Umsetzung allgemein?